Humanitäre Hilfe
Was ist humanitäre Hilfe?  Es ist zur schlechten Routine bellizistischer Propaganda geworden, Kriegseinsätze als "humanitäre Hilfe" zu deklarieren.  

In folgender Pressemitteilung der ÄRZTE OHNE GRENZEN kommt die Problematik zum Ausdruck, die sich aus der Verquickung von humanitärer Hilfe und militärischen Interventionen ergibt.


Kritik an Bundesverteidigungsminister: 

ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert Trennung von Militär und humanitärer Hilfe

Berlin, 28. August 2003. Anlässlich der geplanten Entsendung deutscher Soldaten nach Kundus in Nordafghanistan warnt die internationale Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN vor der Vermischung von militärischen und humanitären Aufgaben. Die Organisation wendet sich entschieden gegen die jüngsten Aussagen von Bundesverteidigungsminister Peter Struck, der den geplanten Einsatz der Bundeswehr u.a. mit dem Schutz von Hilfsorganisationen begründet.  

ÄRZTE OHNE GRENZEN besteht wie viele andere Hilfsorganisationen auf einer strikten Aufgabenteilung: "Das Militär muss für die Sicherheit der Zivilbevölkerung sorgen, während humanitäre Aufgaben von unabhängigen Organisationen übernommen werden sollten", sagte Ulrike von Pilar, Geschäftsführerin der deutschen Sektion. "Diese Organisationen dürfen keine militärischen oder politischen Ziele verfolgen."

ÄRZTE OHNE GRENZEN unterschätzt keineswegs die Gefahren der Arbeit in Afghanistan, lehnt jedoch militärischen Schutz für humanitäre Organisationen ab. Nur so können sie neutral und unparteilich bleiben und die notleidenden Menschen auch erreichen. Die Sicherheit humanitärer Helfer beruht in erster Linie auf dem Vertrauen und Ansehen bei der Zivilbevölkerung und nicht auf bewaffnetem Schutz.

Kommt es zu einer Vermischung von humanitären und militärischen Aktivitäten, wozu auch der militärische Schutz von Helfern gerechnet werden muss, besteht laut ÄRZTE OHNE GRENZEN die Gefahr, dass die Helfer als Teil des Konfliktes angesehen und zur Zielscheibe von Angriffen werden können.

"Zudem verstehen wir nicht, warum bewaffnete Truppen ausgerechnet in eine der stabilsten Regionen des Landes geschickt werden, wenn es darum gehen soll, Sicherheit zu schaffen", so von Pilar.

ÄRZTE OHNE GRENZEN ist seit 1980 nahezu ohne Unterbrechung in Afghanistan tätig. Landesweit unterstützen die Mitarbeiter medizinische Einrichtungen mit Personal und Medikamenten, betreuen Ernährungszentren für unterernährte Kinder und stellen die medizinische und sanitäre Versorgung in Vertriebenenlagern sicher.

Weitere Informationen: ÄRZTE OHNE GRENZEN, Pressestelle,
Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00

www.aerzte-ohne-grenzen.de  Träger des Friedensnobelpreises 1999

 

 

Afghanistan: ÄRZTE OHNE GRENZEN verurteilt die brutale Ermordung von fünf Mitarbeitern

Kabul/Berlin, 4. Juni 2004. Die internationale Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN verurteilt den brutalen Anschlag auf fünf ihrer Mitarbeiter in Afghanistan aufs Schärfste. ÄRZTE OHNE GRENZEN trauert um die Kollegen, die am Mittwoch ermordet wurden, und betont ausdrücklich die Unabhängigkeit der medizinischen Arbeit, die die Organisation seit 1979 im Land leistet.
ÄRZTE OHNE GRENZEN weist darauf hin, dass der Mord an humanitären Helfern nach internationalem Recht ein Kriegsverbrechen darstellt. Die fünf Mitarbeiter waren in Afghanistan im Einsatz, um Menschen in Not zu helfen – ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft oder ihrer politischen und religiösen Überzeugungen. Der Angriff gefährdet laut ÄRZTE OHNE GRENZEN die Arbeit unabhängiger humanitärer Organisationen und damit auch die Bereitstellung der Hilfe für die afghanische Bevölkerung.
Die fünf Mitarbeiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN wurden am Mittwoch Nachmittag in der Provinz Badghis im Nordwesten Afghanistans ermordet. Der Toyota-Geländewagen, in dem sie unterwegs waren, wurde angegriffen und aus verschiedenen Richtungen beschossen. Auch Schrapnellteile wurden später im Auto gefunden, was darauf hindeutet, dass eine Handgranate explodiert ist. Die Tatsache, dass nichts gestohlen wurde, ist ein klarer Beweis dafür, dass es sich nicht um einen Raubüberfall handelt.
Die Taliban haben Berichten zufolge wiederholt behauptet, für diesen Angriff verantwortlich zu sein. ÄRZTE OHNE GRENZEN kann diese Verlautbarungen weder bestätigen noch widerlegen.
ÄRZTE OHNE GRENZEN ist bereits seit 1979 in Afghanistan tätig und leistet dort medizinische Hilfe. Während all dieser Jahre war es der Organisation möglich, unter wechselnden Machthabern zu arbeiten. Unter schwierigsten Bedingungen konnte ÄRZTE OHNE GRENZEN Zugang zu umkämpften Gebieten erhalten, Frontlinien überqueren und den vom Krieg betroffenen Menschen helfen. Die Bevölkerung akzeptierte ÄRZTE OHNE GRENZEN dabei immer als unabhängige humanitäre Organisation. Nach der Ermordung der Mitarbeiter wurden jetzt alle Aktivitäten in Afghanistan vorerst eingestellt. Zurzeit wird geprüft, wie die Hilfe für Menschen in Not unter diesen Bedingungen weitergeführt werden kann.

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