Kindersoldaten     mehr im Forum
der Einsatz von Kindern im  politischen Streit 

ist eine schlimmsten Formen von Kindesmissbrauch

Opfer, die zu Tätern werden - Jeder zehnte der weltweit 300.000 Kindersoldaten kämpft im Kongo

Angesichts des Missbrauchs von Tausenden Kindersoldaten im Kongo, in Liberia und weiteren Kriegsgebieten ruft UNICEF die Konfliktparteien und Regierungen dringend dazu auf, die Rekrutierung von Kindern zu stoppen, sie vor kriegerischer Gewalt zu schützen und Programme zur Wiedereingliederung zu unterstützen. Etwa jeder zehnte der weltweit 300.000 Kindersoldaten ist an Afrikas größtem Krieg im Kongo beteiligt. Alle kämpfenden Gruppen setzen Kinder ein, einige Milizen im Osten bestehen bis zu 60 Prozent aus Jungen und Mädchen. "Wir schätzen, dass im gesamten Land bis zu 30.000 Kindersoldaten rekrutiert wurden. Die Kinder werden als Kämpfer, aber auch als Träger, Köche, und Diener missbraucht. Mädchen werden zusätzlich sexuell ausgebeutet", sagte Gianfranco Rotigliano, Leiter von UNICEF Kongo, bei einer Pressekonferenz in Berlin. In dem größten Krieg auf dem afrikanischen Kontinent sind seit 1998 schätzungsweise 3,3 Millionen Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon Frauen, Kinder und alte Menschen.

Kinder sind fast überall im Einsatz, wenn auf der Welt neue Konflikte entbrennen. Besonders viele Kindersoldaten gibt es in Afrika, ihre Zahl wird auf mindestens 120.000 geschätzt. "Kindersoldaten sind zum Symbol der Konflikte unserer Zeit geworden. Sie stehen für unbeschreibliche Grausamkeiten. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass diese Kinder Opfer sind, die erst von skrupellosen Kriegsherren zu Tätern gemacht wurden. Sie leiden unter ihren seelischen Wunden – und denen, die sie anderen zugefügt haben", sagte Reinhard Schlagintweit, Vorsitzender von UNICEF Deutschland.

Das Beispiel Liberia

Auch während der heftigen Kämpfe in Liberia prägen martialisch auftretende Kindersoldaten das Bild vom Krieg: Nach Schätzungen von UNICEF werden dort derzeit rund zehntausend Kinder und Jugendliche als Soldaten missbraucht - sowohl von den Rebellengruppen LURD und MODEL als auch von den Milizen auf Regierungsseite. UNICEF schätzt, dass in den vergangenen Jahren jedes zehnte Kind in Liberia und in den Nachbarländern bereits einmal von einer der Konfliktparteien rekrutiert wurde. Schon in dem vorhergehenden Bürgerkrieg hatten alle Kriegsparteien Kinder als Soldaten eingesetzt. Ihre Zahl wurde damals auf insgesamt 20.000 geschätzt. Nach dem Friedensschluss war es UNICEF gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen gelungen, mehr als 6.000 von ihnen zu demobilisieren und zurück zu ihren Familien zu bringen.

Brutale Praktiken der Rekrutierung

Viele Kindersoldaten werden zwangsrekrutiert und oft mit brutaler Gewalt zum Kämpfen gezwungen. Um sie gefügig zu machen, werden sie systematisch unter Drogen gesetzt. Manche Milizenchefs bringen sie gar wie in Sierra Leone dazu, eigene Angehörige und Nachbarn umzubringen, um sie an die Truppe zu fesseln und eine Rückkehr unmöglich zu machen. Doch nicht immer ist Zwang nötig: Für manche Kinder aus armen Familien reicht schon die Aussicht auf regelmäßiges Essen, um sich den Truppen anzuschließen. Im Kongo, aber auch in Angola, oder in Liberia gibt es kaum einen Jugendlichen, der ein Leben in Frieden kennt. Eine Chance auf eine Schulbildung, auf eine Arbeit und ein gesichertes Auskommen haben die wenigsten. In den Händen dieser Heranwachsenden ist die Kalaschnikow eine Überlebensgarantie und ein Werkzeug, um Macht auszuüben.

Kongo: Milizen rufen Kinder zum Kriegsdienst auf

Im Kongo haben Milizen in den vergangenen Jahren regelrechte Mobilisierungskampagnen durchgeführt. Junge "Offiziere" der Milizen zogen durch die Dörfer und nahmen Hunderte von Kindern mit in ihre Camps. Im Sommer 2002 wurden an verschiedenen Orten öffentliche Versammlungen organisiert, in denen Jugendliche aufgefordert wurden sich zu melden. Die Aufrufe richteten sich besonders an Waisenkinder, deren Eltern selbst Opfer der ethnischen Auseinandersetzungen geworden waren. Allein im Nordosten des Kongo, wo nach Schätzungen von UNICEF rund zehntausend Kinder von Milizen missbraucht werden, wurden Tausende erst kürzlich neu rekrutiert - einige von ihnen sind jünger als zehn Jahre. Kinder stellen nahezu die Hälfte der 30.000 Soldaten in der Ituri-Region.

UNICEF-Programm zur Betreuung ehemaliger Kindersoldaten im Kongo

UNICEF hat in den vergangenen Jahren immer wieder mit den Milizenchefs im Kongo verhandelt und erreicht, dass mehrere hundert Kindersoldaten freigelassen und zu ihren Familien zurückgebracht wurden. Viele von ihnen wurden jedoch schon wenig später wieder als Soldaten eingesetzt.

  • Systematische Demobilisierung: Unter Federführung von UNICEF ist ein Plan zur systematischen Demobilisierung aller Kindersoldaten im Kongo erarbeitet worden, doch noch steht der Friedensprozess am Anfang. UNICEF hilft kontinuierlich Kindern, die freigelassen wurden oder denen es gelingt wegzulaufen. Hinzu kommen seit Mai Kindersoldaten, die von den UN-Truppen oder der multinationalen Friedenstruppe entwaffnet wurden. Dazu koordiniert UNICEF die Zusammenarbeit mit der multinationalen Friedenstruppe in Bunia und der UN-Friedenstruppe MONUC. Alle Kinder, die aufgegriffen und entwaffnet werden, werden registriert. Die Militärs leiten diese Informationen weiter. UNICEF und seine Partner sorgen dann dafür, dass jedes Kind von einem geschulten Betreuer in Empfang genommen wird. So will UNICEF auch sicherstellen, dass dabei auf die speziellen Bedürfnisse von Mädchen Rücksicht genommen wird.
  • Ein neues Leben für Kriegskinder: In zwei Transit- und Orientierungszentren erhalten die Kinder Unterkunft, Essen, Kleidung und medizinische Versorgung. Demnächst sollen zwei weitere Zentren hinzukommen. Es wird versucht, auf die psychische Situation der Kinder möglichst individuell einzugehen, denn sie reagieren sehr unterschiedlich auf die hinter ihnen liegenden Erfahrungen. Schulunterricht, Sport und gemeinsames Spiel sind Bausteine dieser Betreuung. Ziel ist es aber, die Kinder möglichst schnell wieder zurück in ihre Familien zu bringen. Wenn dies nicht möglich ist, werden sie in Pflegefamilien oder in Heimen untergebracht.
  • Rekrutierung der Kinder stoppen: Um künftig weitere Rekrutierungen zu verhindern, übt UNICEF Druck auf die Konfliktparteien aus. Dazu dienen Verhandlungen mit Militärführern. Ebenso wichtig ist jedoch, dass die Dorfgemeinschaften unterstützt werden, damit sie Widerstand gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten leisten können und sich für die Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten einsetzen. UNICEF fördert lokale Netzwerke in den Gemeinden, in denen Lehrer, religiöse Führer und Eltern zusammenarbeiten.


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