Atomwaffenversuche

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Ein Kernwaffentest (auch Atomwaffentest oder Nuklearwaffentest) ist die Zündung eines nuklearen Sprengsatzes zu Testzwecken, vor allem zur Messung und Dokumentation von Stärke und Auswirkungen einer Nuklearwaffenexplosion.

Testorte 

Aus Sicherheitsgründen (Gefahr durch die Druckwelle und insbesondere durch den radioaktiven Niederschlag) sollten Nuklearwaffentests nur in weiträumig abgesperrten Militärversuchsgeländen stattfinden, wie der NTS in Nevada (über 1000 Tests). Auch wurden verschiedene abgelegene Inseln oder Atolle für Testzwecke benutzt: die Aleuteninsel Amchitka, sowie Mururoa, Fangataufa in Französisch-Polynesien. Ebenso Kiritimati (Vereinigtes Königreich), das Bikini- sowie das Eniwetok-Atoll (USA) und Nowaja Semlja (Russland) im Arktischen Ozean. Allerdings wurden auch in besiedeltem Gebiet, wie der algerischen Sahara, nahe Reggane oberirdisch kritische Massen zur Explosion gebracht. In der Folgezeit wurden dadurch bis zu 30.000 Menschen geschädigt.[1][2][3].

Weitere Nuklearwaffenversuche fanden bei den Montebello-Inseln vor der australischen Westküste, nahe Maralinga in der australischen Wüste (Großbritannien in den 1960er Jahren), im Kernwaffentestgelände Lop Nor (östlich des Bosten-Sees im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang Volksrepublik China, (45 oberirdische Tests bis zum 16. Oktober 1980), auf dem Atomwaffentestgelände Semipalatinsk in der Nähe der Stadt Semipalatinsk in Kasachstan und auf Nowaja Semlja im nördlichen Eismeer (Sowjetunion) statt. Auf Nowaja Semlja wurde zudem am 30. Oktober 1961 mit der Zar-Bombe der atomare Sprengsatz mit der höchsten bisherigen Sprengkraft (über 50 Megatonnen TNT-Äquivalent) gezündet.

Allerdings wurde die Ausbreitung des radioaktiven Niederschlags nicht auf die Testgebiete eingeschränkt, die Kernwaffentests des 20. Jahrhunderts haben die Hintergrundstrahlung weltweit messbar angehoben, teilweise sind sogar einzelne Tests in den heutigen Messdaten nachvollziehbar.

Es wurden auch Nuklearwaffentests unter Wasser, in der Hochatmosphäre und sogar im Weltraum (Starfish Prime) durchgeführt. Hierfür wurden unter anderen zwischen 1958 und 1962 einige Raketen vom Johnston-Atoll gestartet.

Bei unterirdischen Nuklearwaffentests ist die Gefahr des Austritts radioaktiven Materials relativ gering, aber doch stets vorhanden, insbesondere bei porösem Gestein. Für die Durchführung eines unterirdischen Nuklearwaffentests wird mit einem Bohrgerät ein etwa 1000 Meter tiefes Loch gebohrt, in welches die Nuklearwaffe mitsamt Messgeräten versenkt wird. Anschließend wird dieses Loch mit Beton versiegelt. Im Unterschied zu einer oberirdischen Nuklearwaffenexplosion mit ihrem spektakulären Atompilz ist von einer unterirdischen Nuklearwaffenexplosion ein Erdbeben zu spüren.

Messungen

Bei Atombombentests werden zahlreiche Messungen zur Effektivität und Auswirkung der getesteten Waffe durchgeführt. Bei oberirdischen Kernwaffentests wurden häufig Gebäude, Fahrzeuge und Tiere platziert, um die Wirkung der Explosion ausführlich studieren zu können. Auch militärische Ausrüstung, Waffen, Schützengräben und die Soldaten selbst (in vermeintlich sicherer Entfernung) wurden in die Tests einbezogen. Auch wurden Hochgeschwindigkeitsaufnahmen von der Explosion und physikalische Messungen durch Untersuchung der verschiedenen bei einer Nuklearwaffenexplosion auftretenden Strahlungen gemacht. Hierzu musste teilweise die Nuklearwaffe sich zum Zeitpunkt der Zündung an einem definierten Punkt befinden, so dass ein Abwurf derselben aus einem Flugzeug nicht möglich war. Deshalb wurde die Nuklearwaffe auf einem Bombenturm montiert, mit einem Fesselballon in Position gebracht, oder in einer Baracke am Boden aufgestellt. Bei zahlreichen oberirdischen Nuklearwaffentests wurden auch Forschungsraketen zur Untersuchung des Atompilzes und der Hochatmosphäre gestartet.

Durch die zahlreichen oberirdischen Tests kam es zum sogenannten Kernwaffen-Effekt, der die Altersbestimmung bei der Radiokohlenstoffdatierung beeinflusst.

Politische Bedeutung

Neben Messungen zur Funktionalität einer Waffe oder Auswirkungen der Waffe dienen Kernwaffentests auch der Propaganda. Besonders im Kalten Krieg versuchten die verfeindeten Nationen in den Tests ihr atomares Potential dem Gegner auf erschreckende Weise vorzuführen. Auch ging es besonders den USA darum, die Öffentlichkeit für die Entwicklung und von der Notwendigkeit der Waffen zu überzeugen.

Geschichte

Der erste Nuklearwaffentest fand am 16. Juli 1945 auf dem Gelände der White Sands Missile Range in der Nähe der Stadt Alamogordo (New Mexico, USA) unter dem Namen Trinity-Test (dt. Dreifaltigkeit) statt. Dabei wurde eine Implosionsbombe wie die Fat-Man-Nuklearwaffe, die später auf Nagasaki abgeworfen wurde, gezündet, da diese einen komplizierteren Zündvorgang benötigt als die Uranbombe. Man wollte sicher sein, dass dieses Konstruktionsprinzip funktioniert. Die erste Uranbombe, Little Boy genannt, wurde dagegen ohne vorangegangenen Test direkt beim Atombombenabwurf auf Hiroshima am 6. August 1945 gezündet.

Bislang wurden weltweit etwa 2000 Kernwaffentests durchgeführt (wovon 1030 durch die USA, 715 durch die Sowjetunion[4]), wobei eine Sprengkraft von etwa 34.000 Hiroshima-Bomben freigesetzt wurde. Der erste unterirdische Test fand bereits am 29. November 1951 statt (Test „Uncle“ aus der Serie Operation Buster-Jangle, Nevada Test Site), insgesamt wurden aber 622[4] Nuklearexplosionen in der Atmosphäre durchgeführt. Durch den von diesen Tests verursachten radioaktiven Niederschlag gab und gibt es heute im Umfeld dieser Gebiete bei der dort lebenden Bevölkerung hohe Raten an Krebserkrankungen und Fehlbildungen. Die Strahlenbelastung ist weltweit höher als vor den ersten Nuklearwaffentests. Auch europäische Böden und Gewässer enthalten - nebst dem Tschernobyl-Fallout - auch heute noch Rückstands-Nuklide dieser oberirdischen Tests[5].

Der besorgniserregend schnelle Anstieg der Strahlenbelastung führte deshalb 1963 (nachdem im Vorjahr mit rund 180 Tests die mit Abstand höchste jährliche Anzahl davon stattgefunden hatte[4]) dazu, dass die verfeindeten Weltmächte, USA und Großbritannien auf der einen und die UdSSR auf der anderen Seite, den Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffentests in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser abschlossen. Die Kernwaffentests dieser Staaten fanden nun nur noch unterirdisch statt. Seither geht die weltweite Belastung durch den teilweisen radioaktiven Zerfall der freigesetzten Nuklide wieder zurück.

Letzte atmosphärische Tests:

GB: 23. September 1958 
USA: 9. Juni 1963 
UdSSR: 25. Dezember 1962 

Frankreich und China testeten oberirdisch weiter:

Frankreich: 2. Juli 1966 – 14. September 1974: 41 Tests, 
China: 16. Oktober 1964 – 16. Oktober 1980: 22 Tests. 

Seit 1996 liegt seitens der UNO ein internationaler Kernwaffenteststopp-Vertrag zur Ratifizierung bereit, der ein weltweites Ende aller Versuche mit Kernwaffen vorsieht. Indien, Pakistan und Nordkorea haben den Vertrag nicht unterschrieben. Israel, die USA und China haben den Vertrag unterschrieben, aber noch nicht ratifiziert. Indien und Pakistan führen weiterhin unterirdische Nuklearwaffentests durch. Nordkorea hat nach eigenen Angaben am 9. Oktober 2006 und am 25. Mai 2009 erfolgreiche Tests von Atombomben durchgeführt. Zuvor kam es bereits am 9. September 2004 zu einer größeren Detonation in der Region Ryanggang-do (Nordkorea), dies wurde von einigen Quellen als Kernwaffentest interpretiert, was die nordkoreanische Regierung allerdings bestritt.

Der Vela-Zwischenfall aus dem Jahr 1979 ist ein angeblicher Atomtest von Südafrika und Israel.

Eine Reihe subkritischer Tests wurde unter dem „Stockpile Stewardship Program“ der USA seit 1998 durchgeführt. Bei einem subkritischen Test werden 45 bis 450 Kilogramm chemische Explosivstoffe mit kleinen Mengen waffenfähigem Plutonium in circa 300 Meter Tiefe gezündet. Das Experiment mit weniger als der für eine atomare Kettenreaktion notwendigen kritischen Masse – deswegen „subkritisch“ – erforscht das Verhalten des Plutoniums. Die gewonnenen Daten sind für die Computersimulation gedacht und können der Waffenentwicklung dienen. Das US-Energieministerium hat künftige Experimente mit „Atomwaffenkonfiguration“ nicht ausgeschlossen.

Entschädigung von Opfern

Nach einem 2010 von der Zeitung Le Parisien veröffentlichten vorher geheimen Bericht von 1998 hat Frankreich von 1960 bis 1966 Wehrpflichtige vorsätzlich radioaktiver Strahlung ausgesetzt. "Frankreich wollte erforschen, ob die Kampffähigkeit von Truppen abnimmt. [...] 35 Minuten nach der Atomexplosion rückte ein Truppenteil zu Fuß und ohne Schutzkleidung bis auf 700 Meter zum Zentrum vor." [6]

"Viele der Soldaten erkrankten danach an Krebs und anderen von der Strahlung hervorgerufenen Krankheiten. Unter Folgeerkrankungen leiden auch Kinder und Enkel der Soldaten. Frankreich will in diesem Jahr erstmals Opfer der Atomtests entschädigen. Fast fünfzig Jahre lang leugnete das Verteidigungsministerium, dass bei den Atomtests Menschen zu Schaden kamen.

Die überlebenden Atomtestopfer haben sich in einer Veteranenvereinigung - 'Aven' - zusammengeschlossen. Sie beklagen, dass die Entschädigungszahlungen so lange hinausgezögert wurden und großen Einschränkungen unterliegen. So wird nur ein Teil der Erkrankungen als entschädigungswürdig anerkannt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums waren an den 210 Atomtests in der algerischen Sahara und in Polynesien 150 000 Zivilisten und Soldaten beteiligt."[7]

>> http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kernwaffentests 

Quelle, Fußnoten, Grafiken und mehr >> http://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentest 

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